Es ist ein Trauerspiel, wie perfekt wir uns irgendwann darauf verstehen, uns selbst und anderen Schmerzen zuzufügen.
Statt gegen die Verwirrung zu kämpfen, können wir ihr begegnen und uns entspannen.
Inmitten des schrecklichsten Szenarios, des negativsten Selbstbildes, inmitten all unserer strengen Selbstverurteilungen ist immer auch offener Raum vorhanden.
Gemeint ist zum Beispiel die Geduld, uns nicht schon beim kleinsten Schimmer von Langeweile sofort nach Unterhaltung umzusehen. Es ist die Übung, nicht augenblicklich den Raum voll zu stopfen, sobald sich auch nur die kleinste Lücke auftut.
Zurückhaltung ist die Methode, mit der wir das Wesen unserer Rastlosigkeit und Angst erkennen lernen können; mit ihr lassen wir uns in der Bodenlosigkeit nieder. Wenn wir, sobald sich eine Lücke ergibt, augenblicklich wieder nach Ablenkung greifen, indem wir reden, handeln oder denken, werden wir uns niemals entspannen können. Wir werden ständig durch unser Leben rasen. Wir werden immer mit dem zu kämpfen haben, was mein Großvater "einen gewaltigen Bammel" zu nennen pflegte. Zurückhaltung ist ein Weg, sich mit sich selbst anzufreunden. Wir können endlich anfangen, mit dem ins Reine zu kommen, was unter all unserem Zappeln, Rülpsen und Furzen versteckt ist, mit all dem Zeug, das als Verkrampftheit, manipulatives Verhalten oder was auch immer zum Vorschein kommt. Unter all diesem Mist findet sich etwas ganz Weiches, ganz Zartes, das wir gewöhnlich als Furcht oder Gereiztheit erleben.
Geistiges Wohlbefinden gleicht einem Bergsee mit siller ungekräuselter Oberfläche. Ist die Oberfläche glatt, kann man alles in diesem Bergsee sehen. Ist das Wasser aufgewühlt, kann man nichts sehen. Der stille, ruhige Bergsee ist ein Bild für unseren gelassenen Geist, der so voll ist von grenzenloser Freundlichkeit gegenüber all dem Müll auf seinem Grund, dass wir uns nicht mehr genötigt fühlen, seine Oberfläche aufzuwühlen, um nicht sehen zu müssen, was ist.
- frei nach pema chödron
Lassen wir Gedanken winzig, so bleiben sie winzig.
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