Donnerstag, 19. August 2010

Zugfahren

Ich wurde durch einen Post auf Youtube an so gewisse Zugfahrten erinnert, die mir früher mit ziemlicher Regelmäßigkeit widerfuhren.

http://www.youtube.com/watch?v=qseYEE51Otk

Der Schaffner hier klingt 1:1 wie jemand, den ich auf einer Fahrt von Dresden nach FFM erleben durfte. Bis Leipzig versuchte er uns seine komplette Lebensgeschichte nahe zu bringen. Es war seine erste Fahrt. Es war früh. Alle wollten noch etwas dösen. Sichtlich begeistert schien davon wirklich niemand. Immer, wenn er kurz aufhörte ging ein erleichtertes Raunen durch den ganzen Zug. Weit gefehlt. 1 Stunde - bis Leipzig. Durchhaltevermögen hatte er!
Das schöne an der ganzen Sache war allerdings dann vor allem - nach all den Informationen, die man gar nicht hören wollte - ein gemeinsames Übel schweißt zusammen. Ich habe selten so einen Zug erlebt. Alle sprachen mit allen, freuten sich, lachten, weinten. Krass. Es war herrlich. Fast schon eine Party. Ist man ja nun in deutschen Zügen sonst nicht gewohnt :-) Herrlich. Ich kam wirklich selten so entspannt und glücklich am Bahnhof an mit so vielen netten Bekanntschaften, die beim Einsteigen alle noch grimmig drein schauten.
Also, wer immer er war:
Danke dir Zugbegleiter!

Einen ähnlichen Ausgang hatte ich in einer etwas brenzligeren Situation.
Mitten im Nirgendwo - in Brandenburg - Wald drumrum - ruckte es - ein lauter Knall - Stop.
Einige Minuten vergingen. Zumindest brannte nichts und der Zug stand noch gerade, wo wir saßen.
Plötzlich kam ein schreiender, blutüberströmter, mit Glassplittern bedeckter Zugführer an uns vorbeigrannt in den hinteren Teil des Zuges und die gleichzeitige Durchsage, man möge sich keine Sorgen machen und nicht in Panik verfallen. Nunja - Handyempfang gab es dort sowieso keinen, Mitten in der Pampa, alles gut!
Wiedereinmal, auch wenn dieses mal der arme Zugführer leiden musste, brachte es alle so unglaublich zusammen und wir machten aus der Wartezeit wirklich einige der schönsten Zugstunden, die ich je erlebt habe. Von Panik keine Spur. Dem Zugführer ging es den Umständen entsprechend auch gut :)

Es ist schön, wie sehr etwas schlimmes, wo man gemeinsam feststeckt zusammenschweissen kann. Wie nicht nur gute Erlebnisse, sondern auch vor allem die Schlechten einprägsam gut werden können. Wie sie - untrennbar zusammengehören.

:-)

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